Terpene, Flavonoide, und der Entourage Effekt

Die Zulassung von Marihuana als Medizin zuerst in den USA und seit diesem Jahr auch in Deutschland, hat zu einem Forschungsboom besonders im Segment des medizinischen Marihuanas geführt. Unzählige Forschungseinrichtungen befassen sich seitdem mit den Bestandteilen der Pflanze und deren spezifischen medizinischen Wirkungen. Diese Forschungen haben dazu geführt, dass eine Reihe neuer Begrifflichkeiten in die Stoner- und Patienten-Szene geschwappt sind, die für Verwirrung sorgen. Galt man vor kurzem schon als Kiff-Professor, wenn man mehr als drei verschiedene Cannabinoide benennen konnte, so muss sich der Stoner-Schlaufix heute mit Terpenen, Flavonoiden und dem Entourage Effekt rumärgern. Das nervt. Daher hier der Versuch einer Entmystifizierung.
Die gute Nachricht vorweg: Für alle die sich einfach zudröhnen wollen ändert sich nicht viel. Schwere Zeiten stehen denen bevor, die für ein differenziertes Krankheitsbild eine passgenaue Cannabismedizin erwarten, oder, schlimmer noch, selbst zusammenstellen wollen.


Was sind Terpene?

Zunächst einmal Bestandteile, die in jeder Pflanze vorkommen. Die Terpene in der Cannabis Pflanze kann man sich als so etwas wie den Heiligen Geist vorstellen. Niemand weiß genau was er ist und was er tut, aber jeder Priester unter den Stonern fühlt sich berufen, etwas Schlaues dazu zu sagen.
Chemisch gesehen sind Terpene eine Untergruppe des ungesättigten Kohlenwasserstoffs Isopren, was selbst einem Chemie-Leistungskurs Absolventen nicht wirklich weiterhilft. Von einer Onlinerecherche raten wir ab, die weckt nur erfolgreich verdrängte Schulversagenserinnerungen.
Wir vereinfachen das, indem wir festhalten, dass die Terpene in erster Linie für den Geschmack des Cannabis verantwortlich sind.

Welche unterschiedlichen Arten von Terpenen gibt es?

In der Botanik sind über 8.000 Terpene identifiziert, in der Cannabispflanze bis jetzt mehr als 100. Die gängigsten sind: Linalool, BetaCaryophyllen, Myrcene, A-Pinene, Limone. Einige Quellen ordnen den einzelnen Terpenen bestimmte Wirkungen zu,  was eine vereinfachte Betrachtungsweise darstellt, wie wir im Kapitel Entourage Effekt beschreiben werden.

Was sind Terpenoide?

Zu den 8.000 Terpene gesellen sich noch 30.000 Terpenoide, eine Untergruppe der Terpene, die das Reaktionsverhalten der sie tragenden Substanzen (in unserem Fall der Cannabinoide) maßgeblich beeinflussen. Das ist interessant, denn die Terpenoide beeinflussen die Rezeptoren im Gehirn und bestimmen, welche Stoffe wie stark wirken. Es kommt also nicht auf die Menge an Cannabinoiden an, die eine Pflanze enthält, sondern auf die Anzahl und Beschaffenheit der Terpenoide in der Pflanze. Spätestens jetzt wird deutlich, dass wir es mit hochgradig komplexen Wirkzusammenhängen zu tun haben und es wenig Sinn macht, einzelne Stoffe unbedacht aus der Pflanze zu extrahieren um einen bestimmten Effekt zu erzielen.

Was sagt die Forschung?

In diesem Punkt ist die Wissenschaft so ehrlich zuzugeben, dass die Forschung noch in den  Anfängen steckt und erst zu sehr wenigen gesicherten Erkenntnissen gekommen ist. 
Was wir wissen: Terpene sorgen für den Geschmack einer Substanz und haben einen zurzeit noch nicht genau definierbaren Einfluss auf die medizinische Wirkweise der Pflanze.
Terpenoide beeinflussen zusätzlich auch die Mechanismen, mit dem der Körper verschiedene pflanzliche Substanzen aufnimmt und verarbeitet. Das bedeutet, die Terpenoide im Cannabis steuern wie, und wie stark die Cannabinoide im Gehirn des Menschen wirken.
Was wir nicht wissen: Wie Terpene und Terpenoide genau zusammenwirken ist unbekannt. Angezweifelt werden muss, dass durch die Isolierung und Verabreichung einzelner Terpene die psychoaktive Wirkung beeinflusst werden kann. So gut wie gar nichts ist über die Wirkweise einzelner Terpenoide bekannt. Die Wissenschaft verabschiedet sich von der Methode, diese einzeln zu analysieren und wendet sich der Betrachtung von Effekten zu, die durch Gruppen von Terpenoiden verursacht werden (siehe Entourage Effekt).

Was sind Flavonoide und was bewirken sie?

Flavonoide sind Pigmente und als solche in jeder Pflanze enthalten. Sie sorgen als erstes für die Farbe der Pflanze oder des Pflanzenteil, wie der Frucht und für den Duft (engl. flavour). Flavonoide haben keine psychoaktiven Effekte und sind ausschließlich für den Einsatz von Cannabis als Medizin interessant.  Dort wirken sie entzündungshemmend, antiviral, antibakteriell als Antifungizid (gegen Pilzerkrankungen) und als Antioxidans.

Was ist der Entourage Effekt und warum es keinen Sinn macht, Terpene oder Flavonoide zu extrahieren und dem Cannabis beizufügen.

Eine Entourage ist die Gefolgschaft, mit der bspw. die Fürsten in früheren Jahrhunderten durch die Gegend gereist sind. Dabei hatte jedes Mitglied dieser Gefolgschaft eine genau festgelegte Funktion zu erfüllen. In der Cannabisforschung steht der Entourage Effekt für einen Ansatz, der sich grundlegend von dem der Pharmaindustrie unterscheidet. Die Pharmakonzerne isolieren und verabreichen einzelne Wirkstoffe. Die Entwickler von medizinischem Marihuana wollen keine Einzelwirkstoffe isolieren, sondern die Pflanze als Ganzes modifizieren, indem sie verschiedene Pflanzenstämme für die unterschiedlichen Anwendungen züchten.  Dabei setzen sie auf den Entourage Effekt, das sehr komplexe Zusammenspiel der vielen tausend Pflanzenbestandteile. Der Entourage Effekt geht davon aus, dass das Zusammenspiel der vielen Wirkstoffe in der Pflanze zu deutlich besseren Resultaten führt, als die Isolierung einzelner Wirkstoffe. Daher züchten die Produzenten von medizinischem Marihuana zahlreiche Pflanzenstämme für spezifische Anwendungen, anstatt einzelne Wirkstoffe zu isolieren. Schließlich hat die Natur hat ein paar hundert Millionen Jahre gebraucht, um nicht nur die Wirkstoffe in der Pflanze zu entwickeln, sondern auch die Wirkweise beim Konsumenten der Pflanze. Beide Aspekte gehören zusammen und sollten in diesem Fall nicht getrennt werden.

Fazit:

Wir warnen vor Hobbyalchemisten, die irgendwelche Terpene oder Flavonoide isolieren und beimischen, um bestimmte Geschmacksnoten oder andere Effekte zu erzielen. Die Forschung ist erst am Anfang und das Thema ist viel zu komplex, um mit einfachen Mitteln Effekte zu erzielen oder gar neue Produkte oder Zusätze auf den Markt zu bringen. Die Lösung wird in amerikanischen oder israelischen Laboren entwickelt, wo auf sehr hohem Niveau und mit sehr großem technischen Aufwand geforscht und gezüchtet wird. Wir lassen uns überraschen.

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